Eine Dachsanierung gehört zu den kostenintensivsten Maßnahmen einer Liegenschaft. Häufig werden Investitionen im sechs- oder siebenstelligen Bereich beschlossen. Gleichzeitig bestehen bei Eigentümergemeinschaften und Hausverwaltungen oft Unsicherheiten über den tatsächlichen Sanierungsbedarf, den Umfang der erforderlichen Arbeiten sowie die Auswahl geeigneter Unternehmen.

In vielen Fällen beginnen die Schwierigkeiten bereits lange vor dem eigentlichen Sanierungsbeginn.

Es stellt sich die Frage, ob tatsächlich eine vollständige Dachsanierung erforderlich ist oder ob eine örtliche Instandsetzung ausreicht. Mehrere Angebote unterscheiden sich teilweise erheblich im Preis und Leistungsumfang. Technische Details sind für die meisten Eigentümer nur schwer nachvollziehbar. Gleichzeitig müssen Kosten abgeschätzt und spätere Haftungsrisiken berücksichtigt werden.

Dieser Leitfaden erklärt den typischen Ablauf einer Dachsanierung und zeigt, was bereits vor der Beauftragung von Unternehmen geklärt werden sollte.

Wann ist eine Dachsanierung erforderlich?

Nicht jeder Wassereintritt bedeutet automatisch, dass das gesamte Dach erneuert werden muss.

Die Entscheidung hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Alter des Dachsystems
  • Zustand der Dachabdichtung oder Dacheindeckung
  • Anzahl und Ursache der Undichtheiten
  • Qualität der ursprünglichen Ausführung
  • Restnutzungsdauer
  • Wirtschaftlichkeit einer Reparatur
  • konstruktive Gegebenheiten des Dachaufbaus

Sowohl bei Flachdächern als auch bei Steildächern können örtliche Schäden häufig fachgerecht instandgesetzt werden. Ebenso gibt es Dächer, bei denen zahlreiche Einzelreparaturen wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll sind und eine umfassende Sanierung langfristig die bessere Lösung darstellt.

Eine pauschale Aussage ist daher vorab fachlich nicht möglich.

Welche Unterlagen sollten vorliegen?

Vor einer Entscheidung über den Umfang einer Dachsanierung sollten möglichst viele Informationen über den bestehenden Dachaufbau vorliegen.

Hierzu gehören beispielsweise:

  • Bestandspläne,
  • Detailzeichnungen,
  • Fotos aus der Bauphase,
  • Wartungs- und Prüfprotokolle,
  • bekannte Schadensstellen,
  • Energieausweise,
  • Ausschreibungen früherer Arbeiten.

Fehlen diese Unterlagen, müssen Dachaufbau und Konstruktion häufig durch Probeöffnungen oder weiterführende Untersuchungen festgestellt werden.

Zustandsbewertung des Daches

Grundlage jeder wirtschaftlich sinnvollen Dachsanierung ist eine objektive und unabhängige Zustandsbewertung.

Dabei werden unter anderem beurteilt:

  • Dachabdichtung oder Dacheindeckung,
  • Dachaufbau,
  • Tragkonstruktion, soweit erkennbar,
  • Anschlüsse,
  • Attiken,
  • Dachentwässerung,
  • Spenglerarbeiten,
  • Durchdringungen,
  • Wärmedämmung,
  • Gefälle,
  • Feuchtezustand,
  • vorhandene Schäden.

Erst nach dieser technischen Bewertung lässt sich der tatsächliche Sanierungsumfang fachlich beurteilen.

Reparatur oder komplette Dachsanierung?

Diese Frage zählt zu den häufigsten Diskussionen innerhalb einer Eigentümergemeinschaft.

Eine Reparatur kann sinnvoll sein, wenn:

  • einzelne Schäden eindeutig abgegrenzt werden können,
  • die Dachabdichtung oder Dacheindeckung grundsätzlich funktionsfähig ist,
  • keine flächigen Alterserscheinungen bestehen,
  • keine systematischen Ausführungsfehler vorliegen,
  • die Restnutzungsdauer des Daches noch ausreichend ist.

Eine umfassende Sanierung kann wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn:

  • zahlreiche Undichtheiten oder Schäden vorhanden sind,
  • die Restnutzungsdauer weitgehend ausgeschöpft ist,
  • gravierende Ausführungsmängel bestehen,
  • wiederkehrende Reparaturen keine dauerhafte Lösung mehr darstellen.

Warum unterscheiden sich Angebote oft erheblich?

Nicht selten liegen mehrere Angebote mit Preisunterschieden von mehreren hunderttausend Euro vor.

Insbesondere wenn mehrere Firmen ohne einheitliche Ausschreibungsgrundlage direkt zur Angebotslegung aufgefordert werden, entstehen häufig Angebote mit unterschiedlichen technischen Ansätzen und Leistungsumfängen. Jede Firma kalkuliert dabei auf Grundlage eigener Annahmen, eigener Detaillösungen und teilweise unterschiedlicher Dachaufbauten.

Die Ursachen liegen häufig in:

  • unterschiedlichem Leistungsumfang,
  • verschiedenen Dachaufbauten,
  • unterschiedlichen Materialqualitäten,
  • fehlenden Positionen,
  • unterschiedlichen Detailausbildungen,
  • verschiedenen Annahmen über den Bestand.

Dadurch sind die Angebote technisch und wirtschaftlich oft nur eingeschränkt miteinander vergleichbar.

Eine klar definierte Leistungsbeschreibung schafft eine gemeinsame Grundlage für die Angebotslegung und ermöglicht einen nachvollziehbaren Preisvergleich.

Warum ist eine Leistungsbeschreibung sinnvoll?

Eine Leistungsbeschreibung sorgt dafür, dass alle Unternehmen dieselben Leistungen kalkulieren.

Dadurch werden Angebote vergleichbar.

Eine fachgerecht erstellte Leistungsbeschreibung reduziert Missverständnisse und schafft eine objektive Grundlage für die Vergabeentscheidung.

Wer kontrolliert die Bauausführung?

Auch eine sorgfältige Planung ersetzt keine fachliche Kontrolle während der Bauarbeiten.

Im Rahmen einer Baubegleitung können unter anderem überprüft werden:

  • die Ausführung entsprechend der Ausschreibung,
  • die Einhaltung der technischen Regeln,
  • Detailanschlüsse,
  • die Materialverwendung,
  • der Schichtenaufbau,
  • die Entwässerung,
  • Abdichtungsarbeiten,
  • Spenglerarbeiten.

Dadurch können Mängel häufig bereits während der Bauausführung erkannt und behoben werden.

Typische Fehler bei Dachsanierungen

In der Praxis treten immer wieder ähnliche Probleme auf.

Dazu zählen beispielsweise:

  • unzureichende Anschlusshöhen,
  • mangelhafte Entwässerung,
  • fehlerhafte Detailausbildungen,
  • ungeeignete Materialkombinationen,
  • fehlende Bewegungsmöglichkeiten.

Viele dieser Fehler lassen sich bereits in der Planungsphase vermeiden.

Ablauf einer technisch begleiteten Dachsanierung

Der Ablauf einer Dachsanierung umfasst häufig folgende Schritte:

  1. Bestandsaufnahme
  2. Zustandsbewertung
  3. Festlegung des Sanierungsziels
  4. Erstellung eines Sanierungskonzepts
  5. Ausschreibung/ Leistungsbeschreibung
  6. Angebotsvergleich
  7. Vergabe
  8. Baubegleitung
  9. Abnahme
  10. Dokumentation

Je nach Gebäude und Schadensbild können einzelne Schritte entfallen oder erweitert werden.

Fazit

Eine Dachsanierung beginnt nicht mit der Auswahl eines ausführenden Unternehmens.

Sie beginnt mit einer technisch fundierten Beurteilung des bestehenden Dachsystems.

Erst wenn Schadensursachen, bestehender Dachaufbau und Sanierungsziel eindeutig geklärt sind, können wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen getroffen, technisch vergleichbare Angebote auf einheitlicher Grundlage eingeholt und die erforderlichen Arbeiten fachgerecht ausgeführt werden.

Sie planen eine Dach- oder Terrassensanierung Ihrer Wohnanlage?

Ich unterstütze Hausverwaltungen und Eigentümergemeinschaften bei der technischen Vorbereitung und Begleitung ihrer Sanierung – von der Bestandsbeurteilung über Sanierungskonzept, Planung und Ausschreibung bis zur Baubegleitung und technischen Abnahme im vereinbarten Umfang.

Sie können mich bereits hinzuziehen, wenn der Sanierungsbedarf noch unklar ist oder erste Firmenangebote vorliegen. Gemeinsam legen wir fest, welche Untersuchungen und weiteren Leistungen für Ihr Vorhaben erforderlich sind.

Übermitteln Sie mir den Objektstandort, eine kurze Beschreibung Ihres Anliegens und gegebenenfalls vorhandene Fotos oder Unterlagen. Anschließend erhalten Sie ein Angebot für den abgestimmten Leistungsumfang.

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