In der Welt des Dachdecker- und Spenglerhandwerks gibt es Regeln, die seit Jahrzehnten angewendet werden und selten hinterfragt werden. Eine davon ist die häufig genannte Hochzughöhe von 15 cm bei Stehfalzdeckungen im Bereich der Firstentlüftung.

Diese Höhe wird oftmals als Voraussetzung angesehen, um das Eindringen von Wasser und Schnee zu verhindern und eine ausreichende Belüftung der Dachkonstruktion sicherzustellen. Die praktische Erfahrung zeigt jedoch, dass die Funktionstüchtigkeit einer Firstentlüftung von mehreren Faktoren abhängt und nicht ausschließlich von der Höhe der Aufkantung bestimmt wird.

Die 15-cm-Regel kritisch betrachtet

Die Annahme einer Hochzughöhe von 15 cm hat sich über viele Jahre etabliert und wird in der Fachregel für Bauspenglerarbeiten als Regelausführung angeführt. Abweichungen davon werden häufig als Sonderkonstruktionen betrachtet.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass zahlreiche Ausführungen mit geringeren Hochzughöhen seit Jahrzehnten schadensfrei funktionieren. Auch in schneereichen Regionen können solche Konstruktionen dauerhaft funktionsfähig sein, sofern die wesentlichen technischen Anforderungen erfüllt werden.

Die Hinterlüftung ist entscheidend

Für die Funktion einer Dachkonstruktion ist eine ausreichend dimensionierte Hinterlüftung von zentraler Bedeutung.

Sie sorgt für:

  • den Abtransport von Feuchtigkeit
  • die Ableitung von Wärmeeinträgen
  • die Dauerhaftigkeit der Dachkonstruktion

Eine funktionierende Luftführung trägt wesentlich dazu bei, Feuchtigkeitsschäden und vorzeitige Alterungserscheinungen der Konstruktion zu vermeiden.

Rückkantung als wesentlicher Schutz

Einer der wichtigsten Faktoren bei einer Firstentlüftung ist die fachgerecht ausgeführte Rückkantung am oberen Ende der Blechbahn.

Fehlt diese Rückkantung, kann Wasser durch Kapillarwirkung oder Winddruck in die Dachkonstruktion gelangen. Die Rückkantung stellt daher einen wesentlichen Bestandteil des Feuchteschutzes dar und ist für die Dauerhaftigkeit der Konstruktion oft wichtiger als die reine Hochzughöhe.

Überstand und Schutz vor Schnee

Durch einen ausreichend großen Überstand der Firstabdeckung kann die Eintrittsöffnung für Flugschnee reduziert werden.

Zusätzlich sollte die Lüftungsöffnung so angeordnet werden, dass sie möglichst wenig direkt dem Wind ausgesetzt ist. Dadurch wird das Risiko des Eindringens von Flugschnee und Schlagregen deutlich reduziert.

Schrägstellung des Lüftungsgitters

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Schrägstellung des Abluftgitters bis zur Aufkantung der Stehfalzdeckung.

Dadurch können Luftströmungen gezielt geführt und unerwünschte Verwirbelungen reduziert werden. Dies verbessert die Funktion der Entlüftung und erhöht gleichzeitig den Schutz gegenüber Schlagregen und Flugschnee.

Fazit

Die Hochzughöhe allein entscheidet nicht über die Funktionsfähigkeit einer Firstentlüftung. Wesentlich wichtiger sind:

  • eine ausreichend dimensionierte Hinterlüftung,
  • eine fachgerecht ausgeführte Rückkantung,
  • ein geeigneter Überstand der Firstabdeckung,
  • die günstige Anordnung der Lüftungsöffnung,
  • sowie die Schrägstellung des Lüftungsgitters.

Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren gewährleistet eine dauerhaft funktionsfähige und schadensfreie Dachkonstruktion.

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